Stationäre Versorgungsstrukturen der Zukunft

Von Catharina Harms, Oberender AG, Beraterin

Warum fehlt der stationären Versorgung in Deutschland ein Zielbild?

Der Krankenhausmarkt ist seit jeher von einer Vielzahl von Regelungen und Gesetzen geprägt. Dies mündet in zahlreichen Einzelmaßnahmen, zum Teil noch unausgereift, jedoch mit gravierenderen Auswirkungen auf die Strukturen. Die Lösungen einzelner Herausforderungen wie der Fachkräftemangel, Vorgaben zur Qualität oder Krisen stehen zudem teilweise im Widerspruch zueinander. Die zunehmende Regulierung ausgewählter Bereiche, wie Mindestmengen oder Personaluntergrenzen, einhergehend mit der fehlenden abgestimmten Weiterentwicklung anderer Gebiete z.B. die Finanzierung erschwert das Handeln. Ferner sind die derzeitigen Krankenhausstrukturen durch viele Stakeholder – wie Kostenträger, Politik, Leistungserbringer – mit teilweise divergenten Partikularinteressen geprägt. Durch die stetige Entwicklung ist ein komplexes Gebilde aus Versorgungskapazitäten, Vergütung und Politik entstanden, das nun in einer stationären Versorgung mündet, die sich nicht an der regionalen Bedarfssituation ausrichtet. Die derzeitige Pandemie hat als Folge der öffentlichen Diskussion die Handlungsfelder verdeutlicht und den kontroversen Dialog über Zukunft der stationären Versorgung bestärkt.

Thema „Duale Finanzierung“

Die duale Finanzierung und das aG-DRG-System stellen Krankenhäuser unter Kostendruck. Eine Folge der Strukturen ist die anhaltende Unterfinanzierung und der daraus folgende Investitionsstau, der sich zunehmend stärker zeigt. Ausschlaggebend ist dabei der konstant hohe Investitionsbedarf bei einer teilweise rückläufigen Entwicklung der Fördervolumina. Zur Deckung des Bedarfs werden die Erlöse aus Behandlungen auch für Investitionen zweckentfremdet. Zudem werden durch die Gestaltung des DRG-Systems und die Fokussierung auf Leistungen mit positivem Deckungsbeitrag Anreize zum Mengenwachstum geschaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass dadurch die Nachfrage angebotsinduziert künstlich gesteuert wird, um entsprechende Erlöse zu erwirtschaften. Das stationäre Angebot wiederum bedingt den zukünftigen Investitionsbedarf. Als Folge entsteht ein sich selbstverstärkender Kreislauf. Trotz der Anreize Angebotskapazitäten zu reduzieren, ist eine Abflachung des Investitionsbedarfs in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Zukunft kleiner mitunter singulärer Krankenhäuser

Der Konsolidierungsdruck auf die Krankenhauslandschaft nimmt durch die steigenden Defizite und die wachsenden Herausforderungen zu. Um durch Synergieeffekte Effizienzsteigerung und Kostenoptimierung zu erzielen, werden inzwischen auch innerhalb von Verbünden und Konzernen noch größere Strukturen gebildet. Dieser Trend ist dabei nicht nur auf private Trägereinrichtungen beschränkt. Als Folge fusionieren zum einen unterschiedliche, meist freigemeinnützige, Träger – zum anderen werden einzelne Standorte zu Regionen gebündelt. Einzelkämpfer werden es zunehmend schwieriger haben, insbesondere, weil neben guten medizinischen und pflegerischen Fachkräften auch effiziente Verwaltungsstrukturen benötigt werden. Diese teils ungewisse Zukunft insbesondere für Einzelstandorte in ländlicheren Regionen erschwert die Entwicklung von Strategien.

Klare Ausrichtung notwendig

Die fehlende Gesamtstrategie und deren konsequente Umsetzung bei der Entwicklung der Krankenhausstrukturen führte zu unserem heutigen System. Eine gemeinsame Zielformulierung wird durch die Heterogenität der Krankenhauslandschaft und den daraus resultierenden unterschiedlichen Bedürfnissen erschwert. Für ein zukunftsfähiges Vorgehen sollte zudem eine Balance zwischen den Interessen des Bundes, der Länder sowie der Kommunen erzielt werden. Das Commitment auf eine gemeinsame Strategie zu Qualität, Patienteninteressen und Entwicklung einer adäquaten Finanzierung sollte die Grundlage zukünftiger Diskussionen sein.

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