Notaufnahmen im ständigen Wandel

Von Julia Diefenbach, Oberender AG

GBA-Beschluss zur gestuften Notfallversorgung

Mit dem Gesetzesbeschluss zur gestuften Notfallversorgung startete die Regierung in 2018 den Versuch mit 13 Seiten, die prekäre Lage in Deutschlands Notaufnahmen zu verbessern. Bei der Erfüllung der im Gesetz definierten Strukturkriterien sollen Krankenhäuser Zuschläge im sechsstelligen Bereich erhalten. Bei Nichterfüllung müssen sie Abschläge zahlen. Die zentralen Anforderungen des GBA-Beschlusses an Krankenhäuser verdeutlicht Abbildung 1.

Abbildung 1: Zentrale Strukturvoraussetzungen des gestuften Systems von Notfallstrukturen in Krankenhäusern

Status Quo im Krankenhaus

Gut zwei Jahre sind seither vergangen. Wie sieht es in den Kliniken aus? Viele Krankenhäuser versuchten in den vergangenen Monaten die Strukturvoraussetzungen zu erfüllen, um zumindest Stufe 1 zu erreichen. Doch insbesondere die Kleinen hatten große Mühen alle geforderten Kriterien abzudecken. Angefangen von der eigenständigen, fachlich unabhängigen Leitung über eine räumlich abgegrenzte, fachübergreifende Einheit bis hin zur Erfüllung der geforderten Triagezeiten – zahlreiche Umstrukturierungen mussten also her.

Das Resultat der vergangenen Monate: Den Kliniken bereiten weniger die Erfüllung der organisatorischen Kriterien Probleme. Vielmehr stellen die prozessualen Strukturvoraussetzungen des G-BA-Beschlusses die Notaufnahmen vor eine große Herausforderung. Insbesondere

  • die Einschätzung der Behandlungspriorität spätestens 10 Minuten nach Eintreffen in der Notaufnahme,
  • die Verfügbarkeit eines Facharztes im Bereich Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie innerhalb von maximal 30 Minuten am Patienten.

Praxisbericht der Oberender AG

Ein Gespräch mit dem Chefarzt der Notaufnahme der Kliniken Landkreis Heidenheim gGmbH macht deutlich, dass im vergangenen Jahr auch im Klinikum Heidenheim zahlreiche Anpassungen und Prozessveränderungen zur Sicherstellung der G-BA-Konformität erforderlich waren.

„Wir haben ein Projekt zur Reorganisation der ZNA unter Berücksichtigung des GB-A Beschlusses durchgeführt. Hierfür haben wir gemeinsam mit den Fachabteilungen eine neue Geschäftsordnung ZNA erarbeitet, die Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen regelt sowie die Aufbau- und Ablauforganisation in unserer ZNA beschreibt.“ erklärt Chefarzt Herr Pfeufer.

Eine Umstellung der Fachabteilungszuordnung sowie die Verschlankung der Triage bei hohem Patientenaufkommen und die Etablierung eines zeitweisen zweiten Triageplatzes sind nur einige Punkte, die in der ZNA des Klinikums Heidenheim nun anders laufen. Dies macht sich auch in den Kennzahlen bemerkbar: Im Mittelwert warten die Patienten nach Eintreffen in der Notaufnahme statt 14 Minuten nun 7 Minuten bis zur Einschätzung der Behandlungspriorität.

„Um auch weiterhin eine gute Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit sicherstellen zu können, etablieren wir nun einen Round Table, der als Instrument zur Reflektion unserer Abläufe und Zusammenarbeit dienen wird“, so Pfeufer.

Nach den Neuregelungen ist vor den Neuregelungen

Doch nur beim GBA-Beschluss zur gestuften Notfallversorgung wird es nicht bleiben, der Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Notfallversorgung liegt seit Januar 2020 vor und soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Ziel des neuen Gesetzes ist die Verzahnung von ambulanten und stationären Notfallstrukturen und dem Rettungsdienst (siehe Abbildung 2).

Dass die Krankenhäuser nach dem Beschluss erneut Umstrukturierungen in Angriff nehmen müssen, liegt bereits jetzt auf der Hand. Allein die im Referentenentwurf geforderte gemeinsame Tresen-Situation unter fachlicher Leitung der kassenärztlichen Vereinigung wirft Fragen auf. Wie die Kliniken die neuen Vorgaben meistern werden, bleibt abzuwarten.

Abbildung 2: Referentenentwurf zur Reformgesetz der Notfallversorgung

Sie haben Fragen zu den Neuregelungen in der Notfallversorgung? Melden Sie sich gerne bei uns unter +49 89 820 7516-0 oder unter info@oberender.com

Jochen Baierlein
Leitung Kompetenzteam Prozesse
Vorstand Oberender AG
Julia Diefenbach
Beraterin im Kompetenzteam Prozesse
Beraterin im Managementmandat
Kliniken Landkreis Heidenheim gGmbH

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