Primärversorgung als Fundament des Gesundheitswesens – Gutachten der Oberender AG im Auftrag der Robert Bosch Stiftung veröffentlicht!

Was macht Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung – den von der Robert Bosch Stiftung geförderten „PORT-Zentren“ – eigentlich aus und wie könnte eine mittel- bis langfristige Perspektive aussehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen setzte sich die Oberender AG 2019/2020 auseinander.  

Als universitätsnahe Unternehmensberatung hat die Oberender AG seit jeher den Anspruch, den Wandel im Gesundheitswesen aktiv mitzugestalten. Das heißt unter anderem, neue Versorgungsansätze konzeptionell zu entwickeln und ihre Überführung in die gelebte Versorgungsrealität zu begleiten. Eine besondere Stärke liegt dabei in der Verbindung der akademischen Wurzeln mit umfassender Umsetzungserfahrung aus Beratungsprojekten sowie aus dem langjährigen Management großer Gesundheitsunternehmen. Wenn innovative Ideen und Konzepte entwickelt werden, ist der Weg in die Praxis nie weit. 

Vor diesem Hintergrund erteilte die Robert Bosch Stiftung der Oberender AG den Auftrag, drei Gutachten zu den von der Stiftung geförderten PORT-Zentren zu erstellen. Die Titel lauten: 

Bereits im Sommer 2020 wurde ein Thesenpapier (hier) veröffentlicht, das einen ersten Überblick zu wichtigen Ergebnissen bietet. Die Veröffentlichung der Gutachten erfolgte im November. 

PORT-Zentren stellen eine Umsetzung des Primärversorgungsansatzes dar. Das Konzept der Primärversorgung fußt stark auf der Erklärung von Alma-Ata (WHO 1978). Aus dieser geht hervor, dass es sich bei der Primärversorgung um die grundlegende Gesundheitsversorgung handelt, die den ersten Kontaktpunkt zum Gesundheitssystem darstellt und möglichst eng in das Lebensumfeld der Menschen integriert sein soll. 

Entsprechend geht der Begriff über eine rein hausärztliche Versorgung hinaus und tangiert auch Fragen der sozialen Teilhabe, des Lebens mit Behinderung und chronischen Erkrankungen sowie der Pflege. Neben der damit einhergehenden koordinierenden und vernetzenden Funktion dieser Versorgungsebene bildet die multiprofessionelle, teamorientierte Versorgung eine zentrale Säule des Konzepts. 

Im Zuge des Projekts sollte in einem ersten Schritt auf Basis der abstrakten Idee sowie der Erfahrung aus den bereits etablierten und geförderten Zentren eine praxisnahe Heranführung erstellt werden, die interessierten Stakeholdern ein gutes Verständnis der Materie erlaubt. Eine zentrale Herausforderung lag dabei in der Übersetzung des facettenreichen Konzepts in eine griffige Darstellung, welche die Herausforderungen einer praktischen Umsetzung gezielt aufgreift. 

In einem zweiten Schritt galt es, Perspektiven für die Weiterentwicklung des Vergütungssystems für PORT-Zentren zu entwickeln. Neben einem kurzen Überblick zur ökonomischen Theorie und ausgewählten internationalen Beispielen wurden verschiedene Vergütungsoptionen skizziert und diskutiert. 

Der dritte Schritt bestand in einer Analyse, wie mit Hilfe von PORT-Zentren eine regionale oder potenziell auch flächendeckende Primärversorgung ermöglicht werden könnte. Auch hier zeigte sich, dass trotz gravierender Unterschiede im Vergleich zu anderen Gesundheitssystemen Transformationspfade für das spezifische deutsche Setting existieren. 

Comments 2

  1. Sehr interessant, danke! Das Thesenpapier zu „Umsetzung, Vergütung und Weiterentwicklung zu einer regionalen Primärversorgung“ habe ich mir als pdf schon geladen. Bei dieser Gelegenheit weise ich darauf hin, dass ein Vorhaben, das von der Bosch-Stiftung im Rahmen der PORT-Ausschreibung nicht gewürdigt wurde, mittlerweile – wenn auch sehr mühsam und noch in der Phase der Planung eines Bauvorhabens – viele der Merkmale eines Primärversorgungszentrums aufweist, nicht zuletzt die enge inhaltliche Zusammenarbeit mit der Standortkommune und den Kommunen im Umland, Beratungsangebote (auch im sozialen Bereich), v.a. in mehreren Bereichen der Prävention (BGF und im öffentlichen Raum), sowie die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen des benachbarten Schulcampus. Maßgeblich ist das strategische Gesamtkonzept „Campus GO – smarte Gesundheitsregion bayerischer Odenwald“ des interkommunalen Verbundes „Odenwald-Allianz“. Mehr dazu über die Links https://www.odenwald-allianz.de/campus-go/ und https://www.amorbach.de/soziales-gesundheit/go-amorbach/.
    Zu Berücksichtigen wäre zudem, dass Investitionen in Digitalisierung (von der Strategie und Produktauswahl über Datenschutz, Schulungen und Implementationsprozesse bis Wartung und Nachrüstungen) in der Primärversorgung nach diesem Idealkonzept noch nicht ausreichend berücksichtigt zu werden scheinen. Immerhin geht es um vielfache Schnittstellen (technisch und organisatorisch).

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      Guten Tag Frau Becker – lieben Dank für Ihren Diskussionsbeitrag. Für einen Austausch hierzu steht Ihnen unser Kollege PD Dr. Andreas Schmid zur Verfügung. Nehmen Sie gerne jederzeit Kontakt auf.

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