Skip to main content

Webseite durchsuchen

Personalisierte Medizin – eine Einführung

Ein Beitrag von Kristina Schraml

Jährlich sterben in Deutschland 25.000 – 58.000 Menschen an den Folgen von Neben- bzw. Wechselwirkungen von Medikamenten, etwa 30.000 sterben aufgrund falscher Medikamente.

Hintergrund

Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass Menschen unterschiedlich auf Medikamente reagieren. „Es gibt sieben Milliarden Menschen. Jeder von ihnen reagiert anders auf ein Medikament“ so Dr. Josef Scheiber, Geschäftsführer und Gründer der BioVariance GmbH. Lebewesen verstoffwechseln Fremdstoffe über ein komplexes Enzymsystem, dass sich von Individuum zu Individuum unterscheidet. Patienten lassen sich in Hinblick auf die Effektivität einer Therapie somit in zwei Gruppen einteilen. In sogenannte „Responder“, bei denen ein bestimmtes Medikament hilft, und in sogenannte „Non-Responder“, bei denen ein Medikament entweder keine Wirkung zeigt oder mit Nebenwirkungen einher geht.

Ein Beispiel aus der Krebstherapie macht dies deutlich: 75% aller Krebspatienten sprechen nicht auf die verabreichten Medikamente an. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, in der sich der Krebs weiter ausbreiten kann und die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigt wird. Außerdem entstehen dadurch enorme Kosten für das Gesundheitssystem, die eigentlich vermieden werden könnten.

Bei einem Blick in die Krebsforschung zeigt sich, dass hierbei auf molekularer Ebene große Fortschritte erzielt wurden. Krebs ist nicht, wie bisher angenommen wurde, eine Erkrankung eines Organes, sondern vielmehr eine Erkrankung des Genoms, die durch Veränderungen eines oder mehrerer Gene zustande kommt. Somit ist jede Krebserkrankung einzigartig und muss dementsprechend therapiert werden. Denn die negative Seite der bisherigen Krebstherapie ist allgemein bekannt. Durch die Verabreichung von Zytostatika werden nicht nur Krebszellen vernichtet, sondern auch die gesunden Körperzellen angegriffen, was schwerwiegende Folgen mit sich bringt.

Sowohl in Deutschland als auch in den USA ist Krebs nach wie vor die zweithäufigste Todesursache. Zusätzlich wird die Zahl derer, die neu an Krebs erkranken von Jahr zu Jahr höher. Laut Prognosen wird davon ausgegangen, dass die Anzahl der Krebsneuerkrankungen bis 2030 weltweit auf 21,6 Millionen und bis 2040 auf 29,4 Millionen ansteigt.

Das Ziel der personalisierten Medizin

Bisher entschieden Ärzte sich aufgrund ihres Wissens über Krankheiten, ihrer Erfahrung mit Medikamenten und der Patientendaten für eine bestimmte Therapie. Wirkte diese nicht oder nur schlecht, wurde eine andere Dosis oder ein anderes Medikament ausgewählt. Durch personalisierte Medizin werden neue Möglichkeiten der idealen Therapie geschaffen. Mithilfe moderner Diagnostik werden individuelle, genetische Informationen verwendet, um für den richtigen Patienten, zur richtigen Zeit, das richtige Medikament, in der richtigen Dosierung zu finden.

Mit der personalisierten Medizin entsteht nun die Möglichkeit einer idealen Behandlung. Vorteile ergeben sich dadurch sowohl für den Patienten als auch für die Ärzte und Unternehmen im Gesundheitswesen:

Der Trend geht in Richtung personalisierte Medizin. Weltweit befinden sich 631 Moleküle in der späten klinischen Entwicklung der pharmazeutischen Industrie. Davon sind 90% für die zielgerichtete Therapie. Bisher wurden 62 Medikamente für die personalisierte Medizin zugelassen – bei 53 wird ein diagnostischer Test vorgeschrieben, bei neun empfohlen.

Es zeigt sich, dass Menschen offen sind für diese neue Therapieform. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC sind sieben von zehn Menschen in Deutschland bereit, ihre persönlichen Krankheitsdaten zur Verfügung zu stellen, wenn sich dadurch bessere Therapiemöglichkeiten ergeben.

Um die bestmögliche Therapie zu erreichen, stehen somit, neben der bisher durchgeführten Krankheitsdiagnose unter Berücksichtigung der Charakteristika eines Patienten, das Werkzeug der modernen Diagnostik zur Verfügung. Damit ist es möglich, genetische Besonderheiten für eine zielgerichtete Therapie zu entschlüsseln.

Kristina Schraml

Kristina Schraml ins Biologin und bei BioVariance für den Bereich Zertifizierung und QM verantwortlich.