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Stationäre Versorgung in der Schmerztherapie – Update Schmerzatlas 2019

Ein Beitrag von Philipp Leibinger

Rund 17% der Bevölkerung in Deutschland ist davon betroffen: Chronische Schmerzen. Eine Möglichkeit der Behandlung von chronischen Schmerzpatienten ist die stationäre Versorgung mit einem multimodalen Therapieansatz (MMST). Die Aktualisierung des Oberender Schmerzatlas 2019 hat zum Ziel, die aktuelle Angebotssituation und Inanspruchnahme von MMST darzustellen. Dazu wurde der Status Quo von 2017 herangezogen und retrospektiv die Entwicklung in diesem Bereich betrachtet.

Die Versorgungssituation scheint von 2016 auf 2017 zu stagnieren

Das Angebot von MMST-Leistungen an Krankenhäusern nahm von 2012 bis 2017 um etwa 17% zu. Jedoch wurde dabei ein Unterschied von den Bundesländern sichtbar. Vor allem in den Stadtstaaten kam es zu einer Reduktion des Angebots seitens der Krankenhäuser. Jedoch sagt die Anzahl der Häuser wenig über den Versorgungsgrad einer Region aus, da die durchschnittliche Fallzahl ausschlaggebend ist. Denn insbesondere größere Krankenhäuser mit mehreren Fachabteilungen bieten MMST an (durchschnittlich 11 Fachabteilungen). Übereinstimmend damit gab es von 2012 bis 2017 einen Anstieg der Inanspruchnahme von der MMST um rund 44% (46.325 zu 66.686). Von 2007 bis 2017 stiegen die Fallzahlen sogar insgesamt um 174 % an. Dennoch scheinen erstmals von 2016 auf 2017 die Fallzahlen zu stagnieren.

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Die Leistungen werden vor allem von älteren Patienten in Anspruch genommen

Verknüpft man die Angebotssituation mit der Inanspruchnahme wird deutlich, dass die Inanspruchnahme ebenso wie das Angebot bundesweit unterschiedlich ist. So reicht die Spannbreite von 135,0 Fällen des OPS 8-918 pro 100.000 Einwohnern (Sachsen-Anhalt) zu 21,2 Fällen pro 100.000 Einwohnern (Hamburg). Dabei muss beachtet werden, dass die beiden Bundesländer unterschiedliche Altersstrukturen vorweisen und dass der chronische Schmerzpatient tendenziell ein höheres Alter vorweist. Im Alter von 55 bis 59 Jahren erreicht die Inanspruchnahme von MMST ihren Höhepunkt mit 161 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

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Ebenso spielt das Geschlecht bei der Inanspruchnahme eine bedeutende Rolle, da die meisten Schmerzpatienten Patientinnen sind (mit 69% zu 31%).

Patientenwanderungen verschieben regionale Über- & Unterversorgung

Um regionale Über- oder Unterversorgung feststellen zu können, wurde die Patientenherkunft mit dem Behandlungsort stationärer MMST abgeglichen. Dabei wurde deutlich, dass Gebiete ohne MMST Angebote sukzessive abgenommen haben und somit die Versorgung in der Fläche zugenommen hat. Vereinzelt gibt es auch Gebiete, die 2012 oder 2016 ein Angebot vorhielten, welches es dann 2017 nicht mehr gab. Dennoch kann nicht pauschal, sondern nur vereinzelt, von einer Über- oder Unterversorgung einzelner Gebiete ausgegangen werden, da durch den Patientenfluss eine regionale Verschiebung der Leistungen stattfindet.

Ein Großteil der DRG Erlöse ist für den Personalbereich vorgesehen

Die MMST-DRGs haben sich in den letzten Jahren verändert. Auch die Relativgewichte haben sich dementsprechend angepasst. Die Landesbasisfallwerte haben durch die Finanzierungssystematik nach wie vor einen entscheidenden Einfluss auf die Erlöshöhe der Behandlung. Mehr als die Hälfte des Erlöses ist bei der DRG U42B für den Personalbereich vorgesehen, Sachmittel weisen mit ~7% den geringsten Anteil auf. Ein zweiter großer Block ist der Infrastrukturanteil, insbesondere der nicht-medizinische Anteil, der ~30% ausmacht.

 

Philipp Leibinger

Philipp Leibinger ist Senior Analyst bei der Oberender AG und seit 2013 im Bereich Research und Consulting tätig. Sein primäres Tätigkeitsfeld erstreckt sich dabei in die Bereiche Datenanalytik, Strategiekonzeption und Unternehmensbewertungen.