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Die Wiederkehr des Geschäftsbesorgungsvertrages

Ein Beitrag von Jan Hacker, Vorstandsvorsitzender Oberender AG

Die Idee ist schon mehr als 30 Jahre alt: Auf Krankenhausmanagement spezialisierte Unternehmen stellen Geschäftsführer und Managementteams für Krankenhausbetreiber, die nicht einem Konzern oder Verbund angehören. Durch diese Dienstleistung kann Führungs- und Expertenwissen in Unternehmen gebracht werden, die entsprechende Spezialisten sonst nicht vorhalten könnten.

Insbesondere einige private Krankenhausbetreiber boten diese Dienstleistung in der Vergangenheit neben ihrem eigentlichen Kerngeschäft - dem Erwerb und Betrieb eigener Krankenhäuser - an. Ziel war dabei sicher auch die Festigung der Beziehung zu insbesondere kommunalen Auftraggebern, um bei einer eventuellen späteren (Teil-)Privatisierung des Hauses als Käufer auftreten zu können.

Insbesondere in den 80er und 90er Jahren erfreuten sich die Geschäftsbesorgungs- oder Managementverträge einiger Beliebtheit. Bemerkenswert ist dabei, dass ihre Zahl seither bis vor ca. 5 Jahren deutlich zurückging. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen setzte in den 90ern eine intensive Privatisierungswelle ein, die alle Ressourcen der damals noch kleineren privaten Krankenhausbetreiber beanspruchte. Zum anderen konnten oft wichtige Entwicklungsschritte bei Erhalt der kommunalen Trägerschaft nicht vollzogen werden bzw. sie scheiterten an politischen Widerständen.

Seit 2013 sehen wir nun wieder eine deutliche Zunahme an Geschäftsbesorgungsverträgen für Krankenhäuser in Deutschland. Die Oberender AG (ehemals EconoMedic AG) als Marktführer durfte allein in den vergangenen 5 Jahren Managementteams für Krankenhäuser mit einem Gesamtumsatz von ca. einer dreiviertel Milliarde Euro stellen. Dies ist in der Dimension vergleichbar mit einem mittelgroßen privaten Krankenhauskonzern. Diese „zweite Welle“ hat jedoch andere Hintergründe: Oft sind die Krankenhäuser zu Beginn der Zusammenarbeit in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Die materielle Privatisierung, also der Verkauf, ist aber heute vielerorts weder gewünscht noch eine realistische Option. So war z. B. das Bürgerbegehren gegen die Privatisierung der Kliniken des Landkreises Rottal-Inn mit einer Zustimmungsquote von fast 90% das bisher erfolgreichste in der Geschichte der Bundesrepublik. Auch sind die Kommunalfinanzen in aller Regel in besserem Zustand als noch vor 15 Jahren, sodass eine Sanierung in Eigenregie mit einem Managementpartner finanzierbar ist. Und die Möglichkeit der Nutzung der Ressourcen eines Verbundes, ohne das Eigentum am eigenen Krankenhaus aufgeben zu müssen hat in der Vergangenheit so nicht existiert. Wir gehen daher davon aus, dass die Erfolgsgeschichte des Geschäftsbesorgungsvertrages 2.0 noch lange nicht beendet ist.

Jan Hacker, Vorstand Oberender AG
Jan Hacker, Vorstandsvorsitzender Oberender AG

Dipl.-Kaufmann Jan Hacker ist Gründungspartner von Oberender & Partner und Vorstand der Oberender AG, in die Oberender & Partner 2018 integriert wurde. Er verantwortet vom Bürostandort Bayreuth aus im Wesentlichen das Geschäftsfeld der Managementverträge.